Weide & Zufütterung – Warum Gras allein oft nicht reicht
Sobald die Weidesaison beginnt, stellt sich für viele Pferdebesitzer dieselbe Frage: Reicht das Gras auf der Koppel aus, um mein Pferd optimal zu versorgen? Die Antwort fällt differenzierter aus, als viele erwarten.
Gerade bei Sport- und Freizeitpferden, die regelmäßig gearbeitet werden oder stoffwechselbedingte Besonderheiten mitbringen, kann Weidegras allein den Bedarf an Energie, Struktur und Mineralstoffen nicht immer decken. In diesem Beitrag erfährst du, wann Zufütterung sinnvoll ist, worauf du bei der Heuqualität achten solltest und wie du Weidegang und Raufutter sinnvoll kombinierst.
Was liefert Weidegras – und was nicht?
Frisches Weidegras enthält je nach Jahreszeit, Witterung und Aufwuchs zwischen 60 und 80 Prozent Wasser. Der tatsächliche Nährstoffgehalt schwankt daher erheblich. Im Frühjahr ist der Eiweißgehalt oft hoch, während der Rohfaseranteil noch niedrig ausfällt. Im Sommer kehrt sich dieses Verhältnis teilweise um, und im Herbst sinken sowohl Energie- als auch Vitaminwerte spürbar ab.
Für ein Pferd, das täglich trainiert wird oder im Fellwechsel steckt, bedeutet das: Weidegras liefert zwar eine wertvolle Grundlage, kann aber in bestimmten Phasen weder den Strukturbedarf noch den Energiebedarf vollständig abdecken. Besonders kritisch wird es, wenn Pferde nur stundenweise auf die Weide dürfen – etwa bei Hufrehe-Gefährdung oder Neigung zu Übergewicht. Dann fehlt schlicht die Menge an aufgenommenem Raufutter, um die natürliche Fresszeit von 14 bis 16 Stunden am Tag auch nur annähernd zu erreichen.
Fruktan, Zucker und das Stoffwechselrisiko
Ein häufig unterschätzter Faktor ist der Fruktangehalt im Gras. Fruktan ist ein Speicherkohlenhydrat, das Pflanzen vor allem bei Kälte, Trockenheit oder starker Sonneneinstrahlung einlagern. Für stoffwechselempfindliche Pferde – darunter viele Robustpferderassen, aber auch insulinresistente Sportpferde – kann ein hoher Fruktangehalt im Weidegras problematisch werden und im schlimmsten Fall Hufrehe auslösen.
Wer sein Pferd schützen möchte, sollte die Weidezeiten an die Tageszeit und Witterung anpassen. Grundsätzlich gilt: Morgens nach kalten Nächten ist der Fruktangehalt am höchsten. Abends nach einem warmen, bewölkten Tag ist er tendenziell niedriger. Ergänzend dazu empfiehlt sich die Zufütterung von zuckerarmem Heu, das vor dem Weidegang angeboten wird. So nimmt das Pferd bereits strukturreiches Raufutter auf und frisst auf der Weide weniger gierig.
Langsames Anweiden – der Schlüssel zum gesunden Start
Nach der Winterpause braucht der Verdauungstrakt des Pferdes Zeit, um sich an frisches Gras zu gewöhnen. Die Darmflora muss sich umstellen, und ein zu schneller Übergang kann zu Durchfall, Koliken oder Stoffwechselentgleisungen führen. Bewährt hat sich ein Anweideschema, das mit 15 bis 20 Minuten pro Tag beginnt und über drei bis vier Wochen langsam auf die volle Weidezeit gesteigert wird.
Während der Anweidezeit ist die Zufütterung von Heu besonders wichtig. Das Pferd erhält so weiterhin seine gewohnte Strukturfutterration und wird nicht ausschließlich vom noch eiweißreichen Frühjahrsgras versorgt. Idealerweise steht hochwertiges, LUFA-geprüftes Heu auch auf der Weide oder im Offenstall frei zur Verfügung.
Wann reicht die Weide nicht aus? Typische Situationen
Es gibt eine Reihe von Situationen, in denen du aktiv mit Raufutter ergänzen solltest. Im Fellwechsel etwa steigt der Nährstoffbedarf spürbar an, da der Körper Eiweiß und Mineralien für die Bildung neuen Fells benötigt. Auch bei Pferden im Training – egal ob Dressur, Springen, Distanz oder ambitionierter Freizeitreiter – reicht die Energiezufuhr über reines Weidegras häufig nicht aus, vor allem wenn die Koppel nur einige Stunden am Tag zur Verfügung steht.
Weitere typische Situationen, in denen Zufütterung sinnvoll ist: abgeweidete oder übernutzte Koppeln mit geringem Aufwuchs, Pferde mit Zahnproblemen, die auf der Weide weniger effektiv fressen, ältere Pferde mit erhöhtem Bedarf an leicht verdaulichem Raufutter sowie Allergiker, die auf bestimmte Gräser oder Pollen reagieren.
Qualität entscheidet – worauf es beim Heu ankommt
Nicht jedes Heu ist gleich. Für Pferde, die neben dem Weidegang zugefüttert werden, sollte das Heu möglichst staubarm, hygienisch einwandfrei und im Nährstoffprofil zum individuellen Bedarf passen. Eine LUFA-Analyse gibt Aufschluss über den tatsächlichen Gehalt an Zucker, Eiweiß, Rohfaser und Mineralstoffen – und hilft dabei, die Ration gezielt zu ergänzen statt blind zu füttern.
Für stoffwechselempfindliche Pferde eignet sich besonders zuckerarmes Heu, das bereits bei der Ernte auf niedrige Fruktanwerte hin selektiert wurde. Allergiker profitieren von besonders staubarmem, sorgfältig getrocknetem Heu, das die Atemwege nicht zusätzlich belastet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu Bio-Heu, das ohne synthetische Düngemittel und Pestizide erzeugt wurde und damit frei von unerwünschten Rückständen ist.
Im JOLI Webshop findest du LUFA-geprüftes Heu in verschiedenen Schnitten und Qualitätsstufen – darunter Bio-Heu, allergikergeeignetes Heu und zuckerarmes Heu speziell für empfindliche Pferde. Auch Luzerne als eiweißreiche Ergänzung für Sportpferde im intensiven Training ist dort erhältlich.
Luzerne als Ergänzung für Sportpferde
Luzerne liefert hochwertiges Eiweiß, natürliches Kalzium und eine gute Strukturwirkung im Darm. Für Sportpferde, die im Training viel Muskulatur aufbauen oder erhalten müssen, kann Luzerne eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Heu darstellen. Sie eignet sich besonders als Zufütterung während der Weidesaison, wenn das Gras allein nicht ausreichend Eiweiß in der nötigen Qualität liefert – etwa im Hochsommer auf überständigen Weiden.
Wichtig: Luzerne ersetzt kein Heu, sondern ergänzt es. Die Basis der Raufutterversorgung sollte immer aus gutem Heu bestehen, das mindestens 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht am Tag ausmacht.
Praxistipps für die Kombination von Weide und Zufütterung
Biete vor dem Weidegang eine Portion Heu an, damit dein Pferd nicht mit leerem Magen auf die Koppel geht. Das verlangsamt die Grasaufnahme und schützt den Magen vor Übersäuerung. Stelle auch auf der Weide oder im Auslauf Heu bereit – idealerweise in einem Heunetz mit engeren Maschen, um die Fresszeit zu verlängern und die natürliche Kaubewegung zu fördern.
Beobachte den Zustand deiner Weide regelmäßig. Sobald der Aufwuchs deutlich nachlässt oder die Koppel stark abgefressen ist, solltest du die Heumenge entsprechend erhöhen. Auch bei extremer Hitze oder lang anhaltender Trockenheit verliert das Gras an Nährwert und Struktur – dann ist Heu als Ausgleich besonders wichtig.
Passe die Fütterung individuell an. Ein leichtfuttriges Freizeitpferd braucht weniger Energiezufuhr als ein Sportpferd im täglichen Training. Lass im Zweifel eine Rationsberechnung erstellen und stimme die Heumenge sowie die Heuqualität auf den tatsächlichen Bedarf ab.
Fazit: Weide ja – aber mit Plan und gutem Heu
Weidegang ist für Pferde ein wichtiger Bestandteil artgerechter Haltung. Er fördert die Bewegung, das Sozialverhalten und das psychische Wohlbefinden. Doch in Sachen Nährstoffversorgung stößt die Koppel – besonders bei Sport- und Freizeitpferden mit erhöhtem Bedarf – schnell an ihre Grenzen. Wer gezielt mit hochwertigem, geprüftem Heu ergänzt, schließt Versorgungslücken, schützt den Stoffwechsel und sorgt dafür, dass das Pferd auch in der Weidesaison rundum gut versorgt ist.
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