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Was kann ich tun, um das Kolikrisiko bei meinem Pferd zu reduzieren?

Nicht jede Kolik lässt sich verhindern – aber viele vermeidbare Risiken hängen am täglichen Management. So gehst du vor.

Kaum ein Thema treibt Pferdemenschen so sehr um wie die Kolik. Wer schon einmal nachts in den Stall gefahren ist, weil das eigene Pferd unruhig scharrt, sich immer wieder nach dem Bauch umsieht und einfach nicht zur Ruhe kommt, vergisst dieses Gefühl nicht so schnell. Die ehrliche Nachricht vorweg: Ganz ausschließen lässt sich eine Kolik nie. Die Ursachen sind vielfältig, und längst nicht jede davon liegt im Einflussbereich des Menschen. Die gute Nachricht aber lautet: Ein erheblicher Teil der vermeidbaren Risiken hängt am ganz alltäglichen Management – an Fütterung, Wasser, Bewegung und an der Aufmerksamkeit, mit der ein Pferd beobachtet wird. Und genau hier lässt sich ansetzen.

Was ist eine Kolik überhaupt?

Der Begriff klingt nach einer klaren Diagnose, ist in Wahrheit aber ein Sammelbegriff. Gemeint sind Schmerzen im Bauchraum – und die können sehr unterschiedliche Auslöser und Verlaufsformen haben. Das Spektrum reicht von einer harmlosen Verstimmung, die sich nach etwas Bewegung von selbst wieder legt, bis hin zum akuten Notfall, bei dem jede Minute zählt. Eine leichte Verdauungsstörung sieht dem Pferd von außen manchmal kaum an, eine schwere dagegen ist unübersehbar.

Deshalb gilt in der Praxis eine einfache Regel, an der niemand rütteln sollte: Beim geringsten Verdacht auf eine Kolik gehört zügig tierärztlicher Rat eingeholt. Lieber einmal zu früh angerufen als einmal zu spät – das ist kein Alarmismus, sondern schlicht die Erfahrung aus vielen Stalljahren.

Warum das Verdauungssystem des Pferdes so empfindlich ist

Um zu verstehen, warum Fütterung und Kolikrisiko so eng zusammenhängen, lohnt ein Blick auf die Natur des Pferdes. Das Pferd ist ein Dauerfresser. Über Jahrtausende hat es sich darauf eingestellt, kleine Futtermengen faserreicher Kost über den ganzen Tag verteilt aufzunehmen – ursprünglich sechzehn Stunden und mehr am Tag mit Fressen beschäftigt. Der vergleichsweise kleine Magen und der lange, empfindliche Darm sind auf diesen kontinuierlichen Nachschub ausgelegt, nicht auf zwei, drei üppige Mahlzeiten mit langen Pausen dazwischen.

Das erklärt, warum der Verdauungstrakt so sensibel auf abrupte Veränderungen reagiert. Fütterung, Bewegung, Wasseraufnahme und Haltung greifen dabei ineinander wie Zahnräder – verändert sich an einer Stelle plötzlich etwas, gerät schnell das ganze System aus dem Takt. Ein möglichst konstantes, ruhiges Management ist deshalb kein Selbstzweck, sondern die vielleicht wirksamste Vorsorge, die im Stallalltag zur Verfügung steht.

Raufutter – das Fundament jeder Kolikprävention

Wer über Kolikvorsorge spricht, muss beim Raufutter anfangen. Es ist die Grundlage einer pferdegerechten Fütterung, und das aus gutem Grund. Die regelmäßige Aufnahme von Heu und Futterstroh sorgt für lange Kauzeiten, und beim Kauen produziert das Pferd große Mengen Speichel. Dieser Speichel puffert die Magensäure ab und hält das empfindliche Milieu im Verdauungstrakt in Balance. Fällt das Kauen weg, fehlt dieser natürliche Schutzmechanismus.

Hinzu kommt die Rohfaser selbst: Sie hält den Darm in Bewegung und unterstützt die natürlichen Verdauungsprozesse. Als grobe Orientierung hat sich eine Menge von rund 1,5 Kilogramm Raufutter je 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag etabliert – bei einem 600-Kilo-Warmblut also grob neun Kilogramm täglich. Genauso wichtig wie die Menge ist aber die Verteilung. Lange Fresspausen sollten möglichst vermieden werden; als Faustregel gilt, dass ein Pferd nicht viel länger als vier Stunden am Stück ohne Raufutter dastehen sollte. Wo das im Stallalltag schwerfällt, helfen engmaschige Heunetze oder eine zusätzliche Portion zur Nacht mehr, als manch teures Ergänzungsmittel es je könnte.

Qualität entscheidet – worauf beim Raufutter zu achten ist

Raufutter ist nicht gleich Raufutter. Ob eine Heucharge das Pferd nährt oder eher belastet, entscheidet sich lange vor der Krippe – auf dem Feld, in der Ernte und im Lager. Hygienisch einwandfreies Heu und sauberes Futterstroh sind die Basis, alles andere ist Kompromiss. In der Praxis lohnt es sich, jede neue Charge mit allen Sinnen zu prüfen, bevor sie ins Pferd geht.

Merkmal Worauf es in der Praxis ankommt
Geruch Frisch, angenehm heuartig. Muffiger, dumpfer oder stechender Geruch ist ein klares Warnsignal.
Schimmel & Verunreinigungen Frei von Schimmelnestern, Erde, Fremdkörpern oder Giftpflanzen. Im Zweifel Charge aussortieren.
Staubbelastung Möglichst gering – gerade für Pferde mit sensiblen Atemwegen ein entscheidender Faktor.
Lagerung Trocken, luftig und fachgerecht. Feuchtigkeit im Lager macht aus gutem Heu schnell schlechtes.
Chargenkontrolle Bei jeder neuen Lieferung erneut prüfen – Qualität schwankt von Schnitt zu Schnitt und von Feld zu Feld.

Ein Laborbefund, etwa eine LUFA-Untersuchung der Charge, ersetzt den prüfenden Blick nicht, ergänzt ihn aber sinnvoll – besonders in größeren Beständen, in denen viele Pferde von derselben Partie fressen. Was bei einem Einsteller kaum auffällt, wird bei dreißig Pensionspferden schnell zum systematischen Problem.

Regelmäßigkeit und langsame Umstellungen

Pferde sind Gewohnheitstiere, und ihr Darm ist es erst recht. Feste Fütterungszeiten, über den Tag verteiltes Raufutter und möglichst wenig Hektik zur Fütterung – das ist unspektakulär, wirkt aber. Wo die Uhr im Stall verlässlich tickt, hat der Verdauungstrakt planbare Verhältnisse, auf die er sich einstellen kann.

Der wohl unterschätzteste Risikofaktor ist der abrupte Futterwechsel. Untersuchungen zu Kolikursachen zeigen seit Langem, dass plötzliche Veränderungen in Art oder Menge des Futters mit einem erhöhten Kolikrisiko einhergehen. Das gilt für die neue Heucharge ebenso wie für Kraft- oder Ergänzungsfutter. Ein neuer Heuposten gehört deshalb schrittweise untergemischt, über etwa ein bis zwei Wochen, nicht von heute auf morgen komplett getauscht. Dasselbe Prinzip gilt beim An- und Abweiden: lieber mit wenigen Minuten pro Tag beginnen und die Weidezeit langsam steigern. Die Mikroorganismen im Darm brauchen diese Zeit, um sich anzupassen – gibt man sie ihnen nicht, rebelliert das System.

Wasser – der oft übersehene Baustein

Ausreichend sauberes, frisches Trinkwasser ist so selbstverständlich, dass es leicht in Vergessenheit gerät – bis eine Verstopfungskolik daran erinnert, wie wichtig es ist. Trocknet das Futter im Darm zu stark ein, staut es sich, und genau das kann eine Obstipation begünstigen. Ein Pferd nimmt je nach Größe, Leistung und Witterung grob zwischen 20 und 60 Litern am Tag auf, unter Belastung und bei Hitze deutlich mehr.

Besonders tückisch ist der Winter. Eiskaltes Wasser wird von vielen Pferden schlechter angenommen, die Trinkmenge sinkt – und das ausgerechnet in der Jahreszeit, in der viel trockenes Heu und wenig saftiges Weidegras gefressen wird. Beheizbare Tränken oder angewärmtes Wasser sind hier keine Spielerei, sondern echte Kolikvorsorge. Auf Transporten und Turnieren lohnt ebenfalls der genaue Blick aufs Trinkverhalten, denn Stress und fremde Umgebung drücken die Wasseraufnahme oft spürbar. Und ganz gleich zu welcher Jahreszeit: Tränken gehören regelmäßig kontrolliert und gereinigt.

Bewegung hält den Darm in Gang

Bewegung und Verdauung hängen enger zusammen, als vielen bewusst ist. Regelmäßige, gleichmäßige Bewegung unterstützt die natürliche Darmtätigkeit; lange Phasen des Stillstehens tun das Gegenteil. Wer sein Pferd nach einem freien Tag schon einmal auffällig verhalten erlebt hat, kennt den Zusammenhang aus eigener Anschauung. Auch an trainingsfreien Tagen sollte deshalb Bewegung möglich sein – ob auf dem Paddock, im Offenstall oder beim Führen. Die schwierigste Situation ist die verordnete Boxenruhe nach einer Verletzung: Hier steigt das Kolikrisiko oft, und ein enger Austausch mit dem Tierarzt über Fütterung und schonende Bewegungsmöglichkeiten ist Gold wert.

Futterstroh richtig einsetzen

Hochwertiges Futterstroh hat in der Pferdefütterung einen festen Platz und kann bei geeigneten Pferden ein sinnvoller Teil der Raufutterration sein – es verlängert die Fresszeit, beschäftigt und liefert strukturierte Rohfaser. Doch hier ist Augenmaß gefragt. Stroh gehört langsam und kontrolliert in die Ration integriert, nicht in großen Mengen auf einmal. Zu viel davon kann die Verdauung überfordern und das Risiko einer Verstopfungskolik erhöhen, gerade wenn parallel zu wenig getrunken wird oder die Bewegung fehlt. Faustregel aus der Praxis: Stroh ja, aber als bewusst dosierter Baustein und immer mit Blick auf die individuellen Voraussetzungen des einzelnen Pferdes.

Besondere Risikosituationen erkennen

Manche Momente im Pferdeleben sind einfach heikler als andere. Wer sie kennt, kann in diesen Phasen bewusster hinschauen und gegensteuern, bevor etwas ins Rutschen gerät.

Situation Warum kritisch Was in der Praxis hilft
Neue Heu- oder Raufuttercharge Abrupter Wechsel belastet die Darmflora Über 1–2 Wochen schrittweise untermischen
Beginn und Ende der Weidesaison Starker Wechsel des Futtertyps Anweiden langsam steigern, Zeit einplanen
Transport & Turnier Stress, weniger Trinken, andere Routine Gewohntes Raufutter mitnehmen, Trinken beobachten
Längere Boxenruhe Bewegungsmangel bremst die Darmtätigkeit Ration mit Tierarzt anpassen, schonend bewegen
Wetter- & Temperaturstürze Trinkmenge und Tagesablauf verschieben sich Wasserangebot sichern, Routine stabil halten

Wie du im Alltag konkret vorbeugen kannst

Vieles davon lässt sich in ein paar feste Gewohnheiten übersetzen, die im Stallalltag kaum Zeit kosten und trotzdem viel bewirken:

  • Raufutterqualität regelmäßig prüfen und Chargen kontrolliert wechseln
  • Futterumstellungen grundsätzlich langsam gestalten
  • Jederzeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser sicherstellen – auch im Winter
  • Tägliche Bewegung ermöglichen, ebenso an freien Tagen
  • Fressverhalten und Kotabsatz im Blick behalten
  • Verhaltensänderungen ernst nehmen und die individuellen Risikofaktoren des eigenen Pferdes kennen

Warnsignale früh erkennen

So gut die Vorsorge auch ist – irgendwann steht man doch vor der Frage, ob das Pferd „nur“ einen schlechten Moment hat oder ob mehr dahintersteckt. Ein wachsames Auge für die typischen Anzeichen kann im Ernstfall wertvolle Zeit sparen:

  • Unruhe oder auffällige Teilnahmslosigkeit
  • Scharren und wiederholtes Hinlegen und Aufstehen
  • Wälzen oder häufiger Blick zum Bauch
  • Verminderter Appetit oder komplette Futterverweigerung
  • Veränderter oder ausbleibender Kotabsatz

Zeigt dein Pferd solche Anzeichen und du hast auch nur den Verdacht auf eine Kolik: nicht abwarten, sondern unverzüglich den Tierarzt kontaktieren. Bei einer Kolik ist die frühe Reaktion oft entscheidend – und kein erfahrener Tierarzt nimmt es übel, wenn sich der Verdacht am Ende als harmlos herausstellt.

Die Bedeutung einer verlässlichen Raufutterversorgung

Am Ende laufen viele der genannten Punkte auf einen gemeinsamen Nenner zusammen: Kontinuität. Eine möglichst gleichbleibende, kontrollierte Raufutterqualität nimmt dem Darm die ständigen Anpassungsleistungen ab, die als Risikofaktor gelten. Genau das ist im Alltag aber gar nicht so leicht sicherzustellen – Ernten fallen unterschiedlich aus, Lagerbestände gehen zur Neige, und ausgerechnet vor dem Urlaub oder dem großen Turnier steht plötzlich ein Chargenwechsel an.

Vorausschauend zu planen, zahlt sich hier doppelt aus: ausreichende Mengen rechtzeitig sichern, fachgerecht lagern und Heu wie Stroh gezielt nach dem Bedarf des einzelnen Pferdes auswählen. Eine verlässliche Versorgung mit geprüften, gleichbleibenden Chargen – etwa über einen Fachhandel wie Heu und Strohhandel Lindner, der auf LUFA-getestete Ware und plannbare Belieferung setzt – ist damit weit mehr als eine Frage der Bequemlichkeit. Sie ist ein handfester Baustein der Kolikprävention, gerade für größere Betriebe, in denen viele Pferde von derselben Grundlage leben.

Fazit für die Praxis

Nicht jede Kolik lässt sich verhindern – diese Ehrlichkeit gehört dazu. Aber ein durchdachtes Fütterungs- und Haltungsmanagement kann die vermeidbaren Risiken spürbar senken. Hochwertiges Raufutter, langsame Futterumstellungen, ausreichend frisches Wasser und regelmäßige Bewegung sind dabei die tragenden Säulen. Der vielleicht wichtigste Faktor aber steht in keiner Tabelle: das aufmerksame, tägliche Beobachten des eigenen Pferdes. Wer sein Pferd kennt, bemerkt Veränderungen früh – und früh bemerkt ist bei der Kolik oft schon die halbe Miete. Qualität, Kontinuität und ein wacher Blick: Mehr braucht es im Kern nicht, um die Verdauungsgesundheit bestmöglich zu unterstützen.


Quellenverzeichnis

  1. Coenen, M.; Vervuert, I.: Pferdefütterung. 6. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart.
  2. Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4 – Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht, FN-Verlag, Warendorf.
  3. Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM): Informationen und Empfehlungen zur Kolik und ihrer Vorbeugung, www.pferdemedizin.org.
  4. Hudson, J. M.; Cohen, N. D.; Gibbs, P. G.; Thompson, J. A.: Feeding practices associated with colic in horses. Journal of the American Veterinary Medical Association (JAVMA), 2001.
  5. Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) / tierärztliche Fachinformationen zu Kolikursachen und Erstmaßnahmen.
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