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Fellwechsel beim Pferd: Wie die richtige Fütterung Haut, Haar und Wohlbefinden unterstützt

Fellwechsel bedeutet Schwerstarbeit für dein Pferd. Erfahre, warum gutes Raufutter jetzt das A und O ist und helfen kann.

Zweimal im Jahr verwandelt sich das Pferd – und gefühlt auch unsere Klamotten, unsere Pflegeausrüstung und jeder Quadratzentimeter der Stallgasse. Der Fellwechsel ist ein ganz natürlicher Prozess, aber er fordert dem Pferdekörper einiges ab. Als Heu- und Strohhandel Lindner bekommen wir in dieser Zeit besonders viele Anfragen von Pferdebesitzern: Welches Futter ist jetzt richtig? Kann ich den Fellwechsel mit Raufutter beeinflussen? Und warum wirkt mein Pferd plötzlich so schlapp? 

Ich selbst habe mir diese Fragen früher nie gestellt. Fell kommt, Fell geht – so mein Gedanke. Bis ich merkte, wie unterschiedlich Pferde mit dieser Phase umgehen. Während das eine Pferd im Frühjahr regelrecht erblüht und sein Winterfell quasi über Nacht abwirft, quält sich ein anderes wochenlang durch mattes, stumpfes Fell und zeigt sich appetitlos. Der Unterschied? Er beginnt oft bei der Basis – und die heißt Raufutter. 

Was passiert eigentlich beim Fellwechsel? 

Der Fellwechsel wird nicht – wie viele glauben – primär durch die Temperatur gesteuert, sondern durch die Tageslichtlänge. Über das Auge nimmt das Pferd Lichtreize auf, die an die Zirbeldrüse im Gehirn weitergeleitet werden. Dort wird das Hormon Melatonin produziert, das bei kürzeren Tagen verstärkt ausgeschüttet wird und dem Körper signalisiert: Zeit für das Winterfell. Im Frühjahr kehrt sich der Prozess um – mehr Licht bedeutet weniger Melatonin und damit den Start in den Haarwechsel zum Sommerfell. 

Doch Melatonin ist nur ein Spieler in diesem hormonellen Orchester. Auch Schilddrüsenhormone – insbesondere Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) – beeinflussen das Haarwachstum erheblich. Sie steuern den Stoffwechsel und damit auch die Nährstoffversorgung der Haarfollikel. Läuft die Schilddrüse nicht rund, zeigt sich das häufig zuerst am Fell: stumpf, glanzlos, mit verzögertem Haarwechsel. Hinzu kommen Stresshormone wie Cortisol. Pferde, die dauerhaft unter Anspannung stehen, zeigen oft einen verlangsamten Fellwechsel, weil der Körper seine Ressourcen für andere Prozesse braucht. Hier zeigt sich bereits, wie eng Wohlbefinden, Stressmanagement und der körperliche Prozess des Haarwechsels zusammenhängen – und wie viel wir über die Fütterung positiv beeinflussen können. 

Rasse und Alter: Warum jedes Pferd seinen eigenen Rhythmus hat 

Nicht jedes Pferd wechselt sein Fell gleich schnell. Nordische Rassen wie Isländer, Norweger oder Fjordpferde legen im Winter oft ein ausgeprägtes, dichtes Fell an und brauchen entsprechend länger, um es wieder loszuwerden. Ihr Körper ist genetisch auf harte Winter eingestellt – und entsprechend anspruchsvoll ist der Nährstoffbedarf während des Wechsels. 

Warmblüter, Vollblüter und leichtfuttrige Rassen zeigen hingegen häufig einen schnelleren, unkomplizierteren Haarwechsel. Doch auch hier gibt es Ausreißer: Alte Pferde etwa, deren Stoffwechsel langsamer arbeitet, oder Pferde mit metabolischen Vorbelastungen wie dem Equinen Cushing-Syndrom (PPID) können selbst im Sommer noch ihr Winterfell tragen.

Bei Jungpferden im Wachstum wiederum ist der Nährstoffbedarf ohnehin erhöht. Müssen sie parallel dazu noch ein komplett neues Fell aufbauen, kann das zur echten Herausforderung werden. Deshalb gilt: Je anspruchsvoller die Ausgangslage – sei es durch Rasse, Alter oder gesundheitliche Einschränkungen – desto wichtiger wird die Qualität des Grundfutters.

Die tragende Säule: Raufutter im Fellwechsel 

Nun kommen wir zum eigentlichen Herzstück – dem Raufutter. Und hier erlebe ich immer wieder, wie unterschätzt diese Grundlage in der Pferdefütterung ist. Dabei ist Heu nicht einfach nur „Sattmacher", sondern ein komplexer Nährstofflieferant, der im Fellwechsel eine Schlüsselrolle spielt.

Hochwertiges Raufutter liefert essenzielle Aminosäuren wie Methionin und Cystein, die der Körper für die Keratinbildung benötigt – also für den Baustoff, aus dem Fell (und auch Hufe) bestehen. Ohne eine ausreichende Eiweißversorgung über das Futter kann der Körper schlicht kein gesundes, glänzendes Fell produzieren. Unser 1. Schnitt Heu in Bio-Qualität etwa bietet mit einem Rohproteingehalt von rund 6 % eine solide Grundlage, die durch einen moderaten Zuckergehalt auch für stoffwechselempfindliche Pferde geeignet ist.

Darüber hinaus sind Mineralien und Spurenelemente entscheidend. Zink ist maßgeblich an der Zellneubildung beteiligt und fördert die Hautgesundheit. Kupfer unterstützt die Pigmentierung des Fells. Selen wirkt antioxidativ und schützt die Zellen vor Stress. Diese Mikronährstoffe finden sich natürlicherweise im Raufutter – vorausgesetzt, die Qualität stimmt und das Heu stammt von nährstoffreichen Böden.

Ein weiterer Faktor ist Biotin, ein B-Vitamin, das besonders für Haut- und Fellgesundheit bekannt ist. Während viele Pferdebesitzer zu Ergänzungsfuttermitteln greifen, vergessen sie oft, dass ein Großteil des Biotins bereits über ein hochwertiges Raufutter in ausreichender Menge bereitgestellt wird. Die Basis muss stimmen – dann braucht es oft weniger Zusätze, als man denkt.

Warum langes Kauen gut für Fell und Seele ist 

Pferde sind von Natur aus Dauerfresser. In der freien Wildbahn verbringen sie bis zu 16 Stunden am Tag mit Nahrungsaufnahme – in kleinen Mengen, fast pausenlos. Diese Fressweise hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das gesamte Wohlbefinden des Pferdes, und zwar aus mehreren Gründen.

Beim Kauen von strukturreichem Raufutter wie langstängeligem Heu wird große Mengen Speichel produziert – bis zu 40 Liter täglich. Dieser Speichel puffert die permanent produzierte Magensäure ab und schützt so vor Magengeschwüren. Gerade in stressigen Phasen wie dem Fellwechsel, wenn der Körper ohnehin unter erhöhter Belastung steht, ist ein gesunder Magen Gold wert.

Gleichzeitig wirkt das Kauen selbst beruhigend. Es ist für Pferde eine Form der natürlichen Beschäftigung, die Stress abbaut und Langeweile vorbeugt. Pferde, die lange Fresspausen erleiden – etwa bei zu geringen Heurationen – neigen deutlich häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen, Weben oder aggressivem Verhalten. Die kontinuierliche Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem Raufutter ist daher nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch des psychischen Wohlbefindens. 

Für Pferde mit Atemwegsempfindlichkeiten oder Allergien ist unser Allergikerheu eine hervorragende Wahl: Es ist besonders staubarm verarbeitet und schont die Atemwege, ohne Abstriche bei der Nährstoffqualität zu machen. So können auch sensible Pferde lange und entspannt kauen – ohne zu husten. 

Futterumstellungen: Der unterschätzte Stressfaktor 

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die Stabilität in der Fütterung. Pferdemägen sind empfindliche Systeme, die auf abrupte Veränderungen oft mit Koliken, Durchfall oder Fressunlust reagieren. Gerade während des Fellwechsels – wenn der Körper sowieso schon Höchstleistung bringt – ist eine plötzliche Futterumstellung Gift für das Wohlbefinden.

Deshalb empfehlen wir immer: Neue Heuchargen langsam einführen, am besten über zehn bis vierzehn Tage das alte mit dem neuen Heu mischen. Wer unsicher ist, ob ein neues Heu zum eigenen Pferd passt, kann bei uns unkompliziert Probeballen bestellen. So lässt sich testen, ob das Pferd das Futter annimmt und verträgt – bevor man sich für größere Mengen entscheidet.

Diese Vorsicht gilt übrigens auch für Zusatzfuttermittel. Wer glaubt, im Fellwechsel „einfach mal" diverse Öle, Kräuter oder Mineralmischungen ins Futter zu geben, kann damit mehr schaden als nutzen. Der Magen-Darm-Trakt muss sich an jede neue Komponente gewöhnen. Weniger ist hier oft mehr – und eine stabile, hochwertige Raufuttergrundlage macht viele Zusätze schlicht überflüssig.

Spezielle Bedürfnisse: Zuckerarmes Heu für Stoffwechselpatienten

Ein zunehmendes Thema in der Pferdefütterung sind Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oder Hufrehe. Diese Pferde reagieren sensibel auf Zucker und Fruktan im Futter – Inhaltsstoffe, die natürlicherweise in Gras und Heu vorkommen.

Für solche Pferde ist unser 1. Schnitt Heu – Zuckerarm entwickelt worden. Mit einem reduzierten Gesamtzuckergehalt von unter 10 % und niedrigen Fruktanwerten bietet es eine sichere Basis, die den Stoffwechsel nicht zusätzlich belastet. Gerade im Fellwechsel, wenn der Körper ohnehin viel Energie für die Haarproduktion benötigt, ist ein entgleister Stoffwechsel das Letzte, was man braucht.

Aber auch für gesunde Pferde, die zu Übergewicht neigen oder als leichtfuttrig gelten, kann zuckerarmes Heu eine sinnvolle Option sein. Es ermöglicht lange Fresszeiten ohne übermäßige Energiezufuhr – das perfekte Futter für Pferde, die viel kauen sollen, aber nicht zunehmen dürfen. 

Luzerne: Der Proteinbooster für den Fellwechsel 

Wer seinem Pferd im Fellwechsel einen zusätzlichen Nährstoffschub geben möchte, ohne gleich zu synthetischen Ergänzungsfuttermitteln zu greifen, sollte einen Blick auf Luzerne werfen. Unsere Best Alfalfa® Luzerne zeichnet sich durch einen außergewöhnlich hohen Rohproteingehalt von über 17 % aus – ideal für Pferde mit erhöhtem Eiweißbedarf.

Die enthaltenen Aminosäuren unterstützen den Fellaufbau direkt, während der hohe Kalziumgehalt zusätzlich die Knochengesundheit fördert. Luzerne kann dabei flexibel als Ergänzung zur normalen Heurationale eingesetzt werden – etwa eine Handvoll als „Topping" auf dem Heu oder als separates Leckerli zwischendurch. Viele Pferde lieben den leicht süßlichen Geschmack und fressen Luzerne besonders gern. 

Die richtige Heumenge im Fellwechsel 

Eine Frage, die uns häufig gestellt wird: Braucht mein Pferd während des Fellwechsels mehr Heu als sonst? Die Antwort ist ein klares Ja – zumindest in vielen Fällen. Die Produktion eines komplett neuen Fells ist energieaufwendig, und dieser Mehrbedarf sollte über das Grundfutter gedeckt werden.

Als Faustregel gilt: Mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht täglich, bei erhöhtem Bedarf auch mehr. Ein 600 Kilogramm schweres Warmblut sollte also mindestens 9 bis 12 Kilogramm Heu am Tag bekommen – idealerweise aufgeteilt in mehrere kleine Portionen oder in einem Heunetz mit engeren Maschen, das die Fresszeit verlängert.

Pferde, die im Fellwechsel abnehmen oder müde wirken, profitieren oft schon allein von einer erhöhten Heumenge. Bevor man zu Kraftfutter oder teuren Zusätzen greift, lohnt es sich immer, erst einmal die Raufutterration kritisch zu hinterfragen. Qualität und Quantität des Heus sind die Basis – alles andere baut darauf auf.

Fazit: Die Natur unterstützen, nicht überlisten 

Der Fellwechsel ist ein faszinierender, komplex gesteuerter Prozess, bei dem Hormone, Stoffwechsel und Ernährung eng zusammenspielen. Wir als Pferdehalter können diesen natürlichen Vorgang nicht beschleunigen oder erzwingen – aber wir können die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen er reibungslos ablaufen kann.

Die wichtigste Stellschraube dabei ist das Raufutter. Hochwertiges, LUFA-geprüftes Heu mit einer soliden Nährstoffbasis, ausreichend Struktur für lange Kauzeiten und passenden Zucker- und Fruktanwerten für die individuellen Bedürfnisse des Pferdes – das ist das Fundament für glänzendes Fell, gesunde Haut und ein ausgeglichenes Pferd. 

Bei uns im Heu- und Strohhandel Lindner beraten wir euch gerne persönlich, welches Raufutter zu eurem Pferd passt. Ob konventionelles Heu, Bio-Qualität, zuckerarme Varianten oder ergänzende Luzerne – gemeinsam finden wir die optimale Lösung für jeden Fellwechsel. Denn am Ende zählt nicht, wie schnell das alte Fell weg ist – sondern wie gesund und vital das Pferd darunter hervorkommt.

 

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